Eigentlich wollten wir ja heute ein großes Geburtstags-Fresschen mit dem Gutscheinbuch veranstalten, aber gestern musste ich länger arbeiten, so daß ich nichts zum Abendessen vorbereiten konnte, Kerstin hatte nach der Arbeit unbändigen Kohldampf und alles, was zum selberkochen daheim war, hätte länger gedauert als uns unsere (oder eigentlich ihre
) Gier zugestand. Also entschlossen wir spontan, daß wir eben gestern schon essen gehen und heute dafür ins Kino. Und unsere Wahl fiel diesmal auf das China-Restaurant Peking mitten in Freising (ich erwähnte es schon mal bei meiner herben Enttäuschung im fast nebenan liegenden Rosengarten), da wir damit extrem gute und leckere Erinnerungen verknüpften und uns sowieso irgendwie nach was chinesischem war.
Die Örtlichkeit an sich zu beschreiben fällt inzwischen etwas schwerer, da ich bereits zum fünften oder sechsten Mal drin war und daher die Eindrücke ganz anders sind als beim ersten Mal. Es ist auf jeden Fall nicht so kitschig eingerichtet wie die ganzen Standard-Chinesen, die es landauf, landab so gibt. Eine ganz normale Wirtsstube mit großer Schanktheke, ein bisschen chinesisch angehauchter Deko an der Wand und Raumteilern mit Ornamenten, das wars. Ist mir ehrlich gesagt auch viel lieber, denn da zahl ich wenigstens für das Essen und nicht für den Kredit, der die Einrichtung abbezahlt. Die Tische an sich sind trotz der Enge des Raumes angenehm verteilt und so lange kein absoluter Hochbetrieb herrscht, hat man auch schön seine Ruhe. Es sei denn, wenn am großen Haupt-Tisch 10 betuchte, plappernde Großmäuler im Rentneralter sitzen, die sich lautstark affektiert darüber unterhalten, daß es sich bei diesen Grundstückspreisen heutzutage ja gar nicht mehr rentiert, Ein- oder Zweifamilienhäuser zu bauen, sondern daß man gleich richtig in dicke Objekte investieren muss; daß die Wiesn ja ein Riesengeschäft sein muss, wenn man es mal rein vom Umsatz her sieht und daß die Rendite bei einem dortigen Objekt ja immens hoch sein muss und so weiter. Aber das hat mit dem Lokal nix zu tun, das war einfach nur ein Haufen nerviger Großkotze, der uns tierisch auf den Senkel ging mit ihrem "ich weiß ja gar nicht, wohin mit meinem ganzen Geld"-Getue...
Zum Eigentlichen, also zum Essen. Beim Lesen der Speisekarte waren wir überrascht, daß ein eigentlich schon recht altes Angebot immer noch gilt: ein 5-Gänge-Menü für 8,50Euro, wobei man beim Hauptgericht die Wahl aus 10 verschiedenen hat. Na, das ist doch mal ein Deal! Also schlugen wir auch gleich zu.
Es ging los mit einer sauerscharfen Suppe. Und die war mal richtig gut. Nicht zu penetrant pappsüss, wie sie leider bei den meisten Chinesen ist, sondern dezent, aber dennoch würzig - und vor allem mit wahnsinnig viel Inhalt! Also die Standard-Sauerscharfe hat halt meistens nur ein paar Bambussprossen-Schnitze drin, eine große Morchel und vielleicht noch ein klein wenig Huhn oder sowas. Nicht so im Peking. Dort besteht, wenn man die reine Flüssigkeit wegnimmt, sicher 1/3 aus Einlage. Und zwar schön akribisch zerkleinert. Was man auch schmeckt, da die Aromen dieser Zutaten deswegen auch in die Suppe übergehen. Lecker! Wenn ich für meinen Geschmack nicht noch einen winzigen Tick Essig und Salz hinzugeben hätte müssen, wäre das die ultimative Suppe gewesen, aber so gibts immerhin noch eine definitive 2.
Auf zum zweiten Vorspeisengang: der "Peking-Teller". Dieser stellte sich als zwei kleine, vegetarische Frühlingsröllchen sowie zwei Wantans heraus. Dazu die obligatorisch süß-scharfe Chili-Sauce. An sich nichts besonders, aber gerade hier kann man leider auch viel zu viel falsch machen, so daß das Ergebnis manchmal kaum aufregender als lappige Tiefkühlware ist. Nicht jedoch im Peking. Irgendwie schmeckt man, daß hier noch der Chef persönlich mitkocht und daher sehr Wert auf das Ergebnis gelegt wird (das Peking ist seit 2002 ein Familienbetrieb). Diese frittierten Leckereien waren ebenfalls eine definitive 2.
Dann der Hauptgang. Ich wählte ein rotes Thaicurry mit Bambus, Paprika, Babymais, Broccoli und Hühnerfleisch in Kokossauce. Und abgesehen von dem Brokkoli, der mir persönlich doch deutlich zu weich gekocht war, war das Gericht wunderbar aufeinander abgestimmt und trotz des Hinweises "scharf" wirklich angenehm. Vor allem das Huhn zerging auf der Zunge und schmeckte köstlichst. Allein wegen des Brokkolis also ein wenig Punktabzug, aber dennoch eine glasklare 2.
Kerstin wählte hingegen einfach eine "Ente gebacken mit extra scharfer Soße". Die aber dann gar nicht mal scharf war. Also die Sauce. Zumindest nicht extra scharf. Also da habe ich schon gaaaaaanz andere Granaten gegessen. Im Prinzip war es eine dunkle, süß-saure Sauce mit einem guten Hauch Knoblauch, die eine sehr angenehme, dezente Grundschärfe besaß und insgesamt köstlichst war. Und die Ente selbst - wahnsinn! Hammer! Die beste Ente, die ich je gegessen habe! Das Äußere richtig schmackhaft und knusprig. Innen butterzart, so daß das Fleisch auf der Zunge zerging. Nur ein winziges Streifchen Fett am Rand, das nicht störend auffiel und wirklich einfach nur den Geschmack noch so dermassen gut unterstrich. Kein Knorpelchen, kein Knöchelchen, garnichts (im Gegensatz zum Rosengarten, wo die Enten glaube ich von spastisch Gestörten mit der Kreissäge filetiert werden, wenn man mal die Knochen zählt, die da immer noch drin sind). Perfekt. Ich kann jedem nur raten, sich von Herrn Pan mal eine Ente kredenzen zu lassen - ihr werdet die garantiert nicht vergessen! (Wir haben gestern auch definitiv beschlossen, daß wir uns mal ein Pärchen schnappen und dort drin Peking-Ente essen werden...) Serviert wurde das Flattertier auf einem Riesenberg Mungbohnen, die ebenfalls überraschend schmackhaft waren. Also normalerweise bekommt man sie in unseren Breiten ja nur aus der Dose oder Ähnlichem und so schmecken die dann auch. Diese hingegen - waren irgendwie viel intensiver. Baut der am Ende selber an? Egal - insgesamt war Kerstins Hauptgericht jedenfalls echt eine 1, denn daran konnte und kann man nun wirklich nichts mehr verbessern.
Nach dieser Schlacht (Kerstins Magen vertrug gestern zwar mehr als sonst, aber dennoch musste ich von allem mindestens 1/3 aufessen - und platzte daher zu diesem Zeitpunkt schon fast) kam dann das Dessert, wobei wir uns für den Klassiker einer gebackenen Banane in Honig entschieden. Und wie kaum anders zu erwarten: lecker! Schnörkellos auf den Punkt gebrachter Geschmack. Ohne Schnickschnack wie Mandelsplitter oder was sich andere immer einfallen lassen. Nein. Hier gab es einfach nur gute Bananenstücke in einem wirklich geschmackvollen Teig, das ganze frittiert und mit einem sehr aromatischen Honig überträufelt. Dieses Dessert war genau der krönende Abschluss dieses Menüs. Und es ist und bleibt auch die beste gebackene Banane weit und breit (Kerstin weiß das und kanns am besten beurteilen, weil sie dieses Dessert bei jeder sich bietenden Gelegenheit isst und nur im Peking diesen ganz bestimmten, verzückten Ausdruck in den Augen bekommt). Für das Dessert also nochmal eine glatte 1.
Wer nun mitgezählt hat, wird sich bestimmt fragen, daß das ja erst 4 Gänge waren...? Richtig: der fünfte "Gang" besteht aus einem gut großen Glas heißem Pflaumenwein. Der läuft allerdings außer Konkurrenz in der Bewertung, da es ja nur etwas zu trinken ist, was sie nicht selbst herstellen sondern fertig aus einer Flasche gießen. Es muss aber angemerkt werden, daß es eine überdurchschnittlich gute Sorte war, denn im Vergleich zu manchen Pflaumenweinen, die ich sonst immer bekommen habe, war dieser sehr aromatisch.
Ab zur Gesamtwertung also: wenn ich mathematisch rechne, komme ich auf 8 geteilt durch 5 Bewertungen, also die Gesamtnote 1,6. Wenn mich nicht alles täuscht, war das nach der Aktienschänke bisher das beste Essen, über das ich geschrieben habe. Und das völlig zurecht. Der Abend hätte zwar durchaus eine glatte 1 werden können, aber das haben leider die oben erwähnten Gäste zunichte gemacht, denn so kann man leider einfach keinen Bonus für die angenehme Stimmung oder dergleichen vergeben, wie ich das bei der Aktienschänke getan habe. Höchstens für die Tapferkeit der Bedienung, die immer freundlich und geduldig alle ihre dummen Fragen beantwortet hat. Naja, wie gesagt - das ist ein anderes Thema...
Alles in allem jedenfalls ist das Peking mit Abstand der beste Chinese in und um Freising. Vergesst den geschmack- und lieblosen Massenbetrieb des Schicki-Micki-Rosengartens und vergesst auch den zwar nicht ganz so abgehobenen, aber qualitativ leider einfach auch nicht wirklich tollen Kaiserpalast. Wenn Ihr in Freising zu einem Chinesen wollt, geht ins Peking!
Ich kenne kein Chinarestaurant Peking in Freising und wohne dort.