Irgendwie finde ich hier in diversen Blogs hauptsächlich zwei sich mehr oder weniger stichelnd verbal "bekämpfende" Fraktionen. Und zwar zum Einen die, die vor Vorfreude glückselig und Trallala-Schmalzlieder singend durch die hellerleuchtete, glitzernde Lichter- und Tinnefwelt des Konsumweihnachtens von einem "Oh" zum nächsten "Ah" taumeln und den Rest der Menscheit mit vor Rührung weit geöffneten und feuchten Augen anhimmeln, während ihre Arme gerade noch ausreichen, um all die schönen, tollen Geschenke zu halten, die sie für Gott und die Welt und sogar Nachbars Katze erstanden haben - und zum anderen Misanthropen wie mich, die diese unserer Meinung nach geheuchelte und falsche Art von Weihnachten sowas von überhaupt nicht abkönnen und am liebsten bereits vor dem 1. Advent abtauchen und erst an Silvester wieder auftauchen würden.
Also was sollen wir dagegen tun? "Wir" haben echt keine Lust auf "Euer" blödes Weihnachtsgesäusel und den jährlichen Zwang, sich in Geschenken noch mehr zu überbieten. Und "Ihr" habt umgekehrt auch keine Lust darauf, von "uns" deswegen blöd angemacht zu werden, oder? Sollen wir also einfach nur schweigend nebeneinander koexistieren und versuchen, daß wir uns niemals über den Weg laufen, wo wir uns in die Haare bekommen könnten?
Ich kann leider nur für die Seite der Misanthropen sprechen. Und dort eigentlich auch nur für mich persönlich. Aber ich denke, "wir" sind uns da einig: laßt uns doch bitte einfach in Ruhe mit Eurer Fehlinterpretation von Weihnachten. Und damit meine ich vor allem diese ganze Konsumindustrie, die uns pünktlich seit dem 1. Dezember in der Glotze im 20-Minuten-Takt vorgrinst, was wir denn Tolles zu Weihnachten verschenken könnten. Wobei ich mir echt ans Hirn langen muss, was da so alles dabei ist. Zum Beispiel ein "Kaffeevollautomat für nur 399€" - ja wo bin ich denn??? In Reichenberg? In Krösushausen? Wo lebt Ihr denn? Über den Wolken? Geht es bei Euch denn wirklich nur noch ums Geld? Wer schenkt mehr und ist daher ein besserer Mensch als der, der was billigeres schenkt? Erkauft Ihr Euch wirklich das Ansehen anderer mit Hilfe der Geschenke, an denen Ihr Euch messen lasst?
A twisted mind in a twisted world. Schade, daß mein früherer Blog bereits unter diesem Motto lief, denn den wollte ich nicht aufwärmen sondern hier was ganz Neues starten. Wo ich mir vielleicht auch nicht so oft verbal ans Hirn schlagen und kotzen muss, weil ich manchmal nicht verstehe, was in unserer Welt abläuft und in den Gehirnen so vieler angeblich ach so gebildeter Menschen vorgeht. Daher auch der jetzige Fokus auf den Genuß. Oder zumindest den Versuch der Fokussierung. Denn irgendwie drängen mich die Realität und diverse "alltägliche" Ereignisse dann doch immer wieder mal in eine Ecke, aus der ich nur noch mit bösen Worten rauskomme, wie eine an sich zutrauliche Katze, die in die Ecke gedrängt aber auch ihre Krallen benutzen muss, um sich Luft zu verschaffen und den subjektiv benötigten Freiraum zu bekommen.
Meine persönliche Interpretation von Weihnachten ist die, daß die ganze Familie mal wieder zusammenkommt und einen ganzen Tag lang gemütlich isst, trinkt, quatscht, lästert - einfach mal wieder richtig Zeit miteinander verbringt. Das ganze Geschenkgedöns ist bei mir drittrangig. Ich mache mir nichts aus Geschenken, auch an meinem Geburtstag nicht. Das größte Geschenk, daß man mir machen kann ist das, mich einfach nur in Ruhe zu lassen. Was es mir aber umgekehrt enorm schwer macht, in dieser konsumgesteuerten Welt zu überleben, in der jeder von einem erwartet, daß man was schenkt. Weils halt nun mal so ist. Und weil ja die Werbung und der Konsumgott ihr übriges dazu tun, ist es schwer bis unmöglich, sich nicht lächerlich zu machen, wenn man vielleicht einfach was bastelt, schreibt, dichtet oder sonstwas selber macht. Weil das kostet ja dann nichts und ist daher auch nichts wert.
Und jetzt tut nicht so! Sicher habt ihr beim letzten Satz den Kopf geschüttelt und Euch entrüstet laut gedacht "aber nein, was Selbstgemachtes ist doch viel mehr wert als was fertig gekauftes" - aber dann stellt Euch mal zwei Bilder von Geschenken in Eurem Kopf vor: einmal ein von mir selbstgemachter Fotokalender mit schönen, jahreszeitlichen Bildern aus Eurem Garten oder Eurer Umgebung - und daneben liegt die geile Digitalkamera, mit der Ihr ja schon lange geliebäugelt habt... Und jetzt erzählt mir wirklich allen Ernstes, daß Ihr Euch mehr über meinen Fotokalender freuen würdet...? Klar würdet Ihr den einmal in Ruhe durchsehen - dann aber gleich gegen die Bedienungsanleitung der Kamera austauschen, diese grob durchlesen, die Kamera ausprobieren, damit rumspielen, gleich einige Bilder machen, vielleicht auch gleich gucken, wie man die in den PC bekommt und wie's dann ausgedruckt aussieht und so weiter. Mein Kalender wird dann zwar am 1. Januar wieder aktuell und ihr schaut dann vielleicht sogar jeden Tag drauf - aber im Moment des Geschenks selbst steht mein Selbstgemachtes im Vergleich zu so tollen, gekauften Konsumspielzeugen definitiv auf verlorenem Posten.
Ist das aber das, was Weihnachten eigentlich sein sollte? Daß man sich auf die Geschenke freut, das Auspacken von immer noch mehr und immer noch größeren und immer noch schillernder verpackten Präsenten? Daß man sich Gewissensbisse macht und Minderwertigkeitskomplexe bekommt, wenn man mal wirklich "nur eine Kleinigkeit" für einen Menschen hat? Daß man neben den nächsten Familienangehörigen jetzt auch noch Freunde und Bekannte beschenken muss, weils einem in der Werbung ja so gezeigt wird? Daß automatisch gleichgesetzt wird, was man einem Menschen schenkt und wie man ihn achtet?
Ich habs glaub ich schon öfter hier gesagt: macht doch, was Ihr wollt. Wenn Ihr Euch dabei wohlfühlt, in dem profanen, nur kurz anhaltenden "Glück" des Badens in teuren aber eigentlich wertlosen Geschenken, dann tut das. Von mir aus beleuchtet und bekitscht Ihr auch Eure Wohnung und Euer ganzes Haus mit allem möglichen Plastikgelumpe, das einem als unabdingbar für weihnachtliche Zierde verkauft wird. Aber lasst mich damit bitte in Ruhe. Ich will mein Jul einfach im Sinne der Familie begehen. Ein paar Tage der Einkehr in mich selbst, des Nachdenkens über das vergangene und das herannahende Neue Jahr. Ein paar Tage des Schlemmens und bewußten Genießens von Speisen, für die ich mir sonst nicht die Zeit nehme. Ein paar Tage ohne den Alltagstrott und vor allem den Alltagsstress. Durchhängen. Baumeln lassen. Zur Ruhe kommen. Schlafen.
Was will ich mit diesem Posting jetzt eigentlich sagen? Daß jeder mal nachdenken sollte, wie er Weihnachten begeht, warum er es so begeht (also "will ich das wirklich selber für mich so oder tu ich es eher für andere") und wo daraus resultierend Wege für sinnvolle Kompromisse zwischen den Extrema der Weihnachtsfanatiker und der Weihnachtshasser sind. Ich bin zum Beispiel so weit Realist, daß ich mich nicht komplett für mich allein verkriechen kann, wie ich das eigentlich gerne tun würde - meine Eltern, meine Freundin und deren Eltern würden mir das nie verzeihen. Also muß ich diesen Kompromiss sinnvollerweise eingehen und an Weihnachten eben Zeit mit denen verbringen. Aber all die "auf der anderen Seite", also die Überkonsumierer - wie wärs denn mit ein wenig mehr Realitätssinn? Müßt ihr hunderte von Euros für Weihnachten verprassen? Wie wärs denn stattdessen mal mit einem vernünftigen Rahmen, dafür aber auch einer angemessenen Spende für eines der vielen Hilfswerke? Das wäre ein Geschenk, das viel mehr Menschen eine Freude bereiten würde. Aber klar - die sehen einem ja auch nicht gerührt ins Gesicht, also fehlt womöglich das wichtigste Feedback, das Ihr zum Füttern Eures Egos braucht... Und stimmt - ich vergass, daß ja heuer wieder mal dummerweise kein Tsunami zufälligerweise zur Weihnachtszeit über ein Urlaubsparadies, wo sich auch Deutsche aufhalten, hereinbrach. Ich könnt kotzen, wenn ich an die Zahlen und das Geheuchle damals denke, also daß da auf einmal so dermassen viel angebliche Solidarität gezeigt wurde - und ansonsten sich keiner einen Dreck um den Rest der Welt schert, wo es teilweise noch viel schlimmer zugeht und die Leute im eigenen Müll ersticken oder in Pakistan immer noch hunderttausende in ihren Zelten erfrieren und mit Brackwasser ihre Winzportiönchen Reis kochen müssen.
Alsdenn - Frohe Weihnacht beisammen!
Seltsames Weihnachtszeuch die II.
Wow. Ich muss mich einen Moment sammeln. Es passiert wirklich nicht oft, dass ich beim Lesen eines Satzes Luft holen muss, weil ich denke, dass er so lang ist, dass mir die Luft ausgeht, wenn ich ihn sprechen würde. Das liegt zum einen daran, dass...