Oft habe ich schon über sie gelästert und sie beschimpft. Diese Besitzer riesengroßer Flachbildschirme. Die "Flachomaten". Und wie sie permanent zu den eingängigen Discountern laufen und immer das billigste vom billigen Essen kaufen, um sich diese Fernseher, das Premiere-Abo, den Neuwagen vor der Tür sowie die zwei- oder dreimal Urlaub im Jahr auch überhaupt leisten zu können.
Aber oh graus: jetzt hab ich selber einen... 
Seit Samstag bin ich verdammt stolzer Besitzer eines LG 47LG5000 - ein 47-Zoll-LCD (119cm Diagonale) mit Full HD und DVB-T-Receiver. Es war ein Vorführgerät von unsrem hiesigen Saturn für 999€, womit er zwar schon etwas teurer war als die günstigste Quelle im Internet, aber bei derart großen Geräten hab ich einfach nicht wirklich Vertrauen in den Versand. Außerdem will ich gerade bei einem Fernseher erst einen eigenen Eindruck vom Bild haben und mich nicht auf Beschreibungen anderer verlassen. Das ist ja mit HiFi-Komponenten genauso, wo ich nur meinen eigenen Ohren traue.
Nötig war diese Anschaffung zwar im Prinzip genauso wie ein zweiter Bauchnabel, also gar nicht, weil mein alter 85cm-Röhrenfernseher im 4:3-Format noch wunderbare Dienste tut. Aber hier bin ich zugegeben echt auch etwas meiner Konsumgier und dem "aber ich will!" erlegen. Die Balken bei den ganzen Sendern, die jetzt standardmässig in 16:9 senden, stören nämlich mit der Zeit schon ganz schön, weil das Restbild dadurch schon deutlich kleiner wurde. Und besonders stark wurde der Wunsch, seit wir die PS3 haben und feststellten, dass die Spiele-Entwickler ja offenbar wirklich HD-Schirme und 16:9 voraussetzen. Es nervt nämlich unendlich, wenn man einfach nicht mehr die Schrift auf dem Bildschirm lesen kann. Und wenn man erst aufstehen und hingehen muss, nur um dann festzustellen, dass die Schrift selbst aus dieser Nähe viel zu pixelig ist, um sie fließend und ohne ziemliche Konzentration lesen zu können. Also stand sowieso fest: irgendwann...
Dazu kam die Erkenntnis, dass wir beide einfach bekennende Couchkartoffeln sind. Also jetzt wenn das Wetter wieder besser wird, nicht mehr so, aber den Winter über verbringen wir den überwiegenden Teil unserer Freizeit auf der Couch. Und damit vor der Glotze. Winterschlaf quasi. Also wäre es ja nur sinnvoll, wenn wir diesen großen Teil unseres Lebens so angenehm wie möglich gestalten. Wozu eben auch ein moderner, dem heutigen Stand der Technik entsprechender Fernseher gehört.
Dass dieses "irgendwann" nun aber doch so plötzlich kam, ist ein paar glücklichen finanziellen Umständen zu danken. Unter anderem dem "Fund" von unerwartet viel Geld auf meinem lange nicht mehr beachteten und für so Notfälle wie Autoreparatur angelegten Sparbuch. Also habe ich mich in den letzten Tagen recht viel schlau gemacht, was Fachbegriffe angeht, welche Stärken und Schwächen LCDs und Plasmas haben, worauf man beim Kauf achten sollte (z.B. den üblichen Trick, dass da oft ein Vorführvideo läuft, das speziell für LCDs oder Plasmas zugeschnitten ist und daher Null über die normale "Leistung" mit Fernsehbildern, DVDs oder Spielkonsolen aussagt) und wie viel Budget im Raum steht.
Eigentlich hatte ich mich ja auf 42 Zoll eingeschossen. Notfalls hätte ich auch einen mit 40 Zoll genommen. Aber dann stolperten wir am Samstag beim "Bummeln" eben über diesen 47-Zöller, der für diese Preisklasse unseres Empfindens nach das beste, weil nicht zu aufdringliche Bild zeigte (da lief nämlich ausnahmsweise wirklich normales Fernsehen, kein Spezialvideo) und außerdem vom äußeren Design her einfach am edelsten rüberkam. Ich will keine hochdesignten Ränder um den Schirm oder sonstige Applikationen und optische Spielereien - ich will einen nicht zu breiten, dezent-schwarzen Rand, der mich nicht vom Fernseher ablenkt. Und so was wie Ambilight gefällt mir auch überhaupt nicht. Hab schon mal was mit Ambilight angesehen, was ganz nett war, aber soooo überragend wie die Werbung immer tut, finde ich das nicht. Lieber klatsch ich mir höchstens noch eine dezente, regelbare Hintergrundbeleuchtung an die Wand, aber ich geb keine zig Euro extra für Ambilight aus.
Wie dem auch sei: wir sahen am Samstag das Ding da hängen, sahen uns mit großen Augen an - und schlugen sofort zu, bevor das ein anderer tun konnte.
Während wir an der Warenausgabe warteten, dann aber die langsame Erkenntnis: also auf unser Uralt-Fernsehschränkchen (Original 50er Jahre von meinen Eltern) passt dieses Monster ja gar nicht drauf? Wir hatten extra die Aussparung unseres Wandregals gemessen und ein 42-Zöller wäre gerade noch so gegangen. Also weniger wegen des Schränkchens, aber wegen des recht hohen Hifi-Racks nebendran, das jetzt natürlich weg musste, damit der LG da von der Breite her reinpasst. Oh Schreck - da müssen wir wohl auch noch Möbel kaufen fahren...
Also Fernseher heimgebracht, die Treppe hochgewuchtet (begleitet von irrem Kichern, weil es einfach so ein riesenmonstergroßer Karton ist, in dem sich sogar meine kleine Göttin bequem zum schlafen reinlegen könnte - fragt also nicht, wie grotesk das aussah, als sie an einem Ende dranhing...), zurück ins Auto und ab zu - ja, wohin eigentlich?
Vier Möbeldiscounter und gefühlte 2.000 Ekelbatzen an Design-Verirrungen später landeten wir dann ziemlich erschöpft doch bei IKEA. Und trafen auf die Markör TV-Bank. Perfekt. Also eingepackt und heimgefahren. Mit der Vorahnung, dass das eine lange Nacht werden würde - es war da nämlich schon 19 Uhr...
Dazu muss ich kurz einwerfen, dass ich eigentlich sowieso schon total hinüber war, da wir am Freitag Konzert in Ulm hatten, bei dem ich Fahrer war und erst um halbsechs Uhr morgens nach Hause kam, also wenig Schlaf in dieser Nacht hatte. Noch dazu durfte ich diesmal irgendwie mein ganzes Equipment und besonders meinen inklusive Case etwa 40kg schweren Amp komplett alleine etwa 200m vom Parkplatz zu dem Schuppen und wieder zurück tragen. Ich hatte also am Samstag schon entsprechend Muskelkater und beschloss daher schon vorher, das Ganze entsprechend ruhig anzugehen...
Doch gesagt, getan: zu Hause erst mal einen starken Kaffee gebrüht und los gings. Wobei der erste Schritt darin bestand, erst mal mein über 10 Jahre gewachsenes und teilweise erschreckend eingestaubtes Kabelchaos hinter der Stereoanlage und dem Fernseher zu entwirren. Dann noch gemütlich mit zwischendrin immer wieder einer zweisamen Zigarettenpause und Bierchen das alte Schränkchen ausräumen (wo ungefähr 50 Videokassetten drin waren, die ich jetzt wohl einfach wegwerfe), alles entstauben und die nicht mehr benötigten Teile (AIWA-Kassettendeck, alter Sony CD-Player, alter Pioneer DVD-Player, JVC Videorecorder - wer haben will, Bescheid geben!) vorübergehend im Nebenzimmer "parken", den Boden und die Wand dahinter schön saubermachen - und schon waren zwei Stunden vorüber.
Also ab ans aufbauen: Markör-Verpackung aufgerissen - und erst mal ewig nach der Zusammenbau-Anleitung gesucht. Dann die erste Murphy-Erkenntnis des Abends: ich brauche nie einen Akkuschrauber, aber wenn doch, dann ist natürlich kein einziges freies Elektron mehr im Akku. Also durfte ich alles von Hand schrauben. Ganz schön schweißtreibend. Aber für Gitarristen immer ein gutes Training. Beim Montieren der Rückwand dann die zweite Murphy-Erkenntnis: ich brauch nie einen Hammer - aber für IKEA-Möbel braucht man ihn. Samstag abends um 23 Uhr. Super. Warum diese Wand nicht auch einfach mit Schrauben montiert wird, ist mir ein Rätsel, aber auf jeden Fall haben wir prophylaktisch eine Flasche Prosecco gepackt, einen kleinen Entschuldigungszettel für den späten Lärm drangehängt und den Nachbarn unter uns vor die Tür gestellt. Ca. 50 Hammerschläge später war dann aber auch diese Wand dran und kurz drauf das Schränkchen komplett fertig. Und es sieht echt toll aus!
Dann aber der zweitgrößte Moment von allen: den Fernseher aus dem Karton holen, Standfuß draufschrauben, auf die TV-Bank stellen - und erst mal mit offenem Mund dastehen, weil das Ding so dermassen riesig ist, dass er fast den gesamten Platz einnimmt, den wir dort an der Regal-Aussparung haben. Krass, ist das groß...
Mit entsprechender Vorfreude habe ich dann noch alles verkabelt - und dann kam der Moment des ersten Einschaltens.
Kennt ihr Matrix? Die Szene, wo er zum ersten mal "erwacht" und die wirkliche Welt auf ihn einwirkt?
So in etwa kamen wir uns in diesem Moment vor.
Fernsehen war gestern - DAS ist Unterhaltungselektronik auf dem aktuellsten Stand.
Seit diesem Moment hingen wir für den Rest des Wochenendes durchgehend nur vor der Glotze, schauten DVDs, Fernsehen und zockten - einfach weil es sooooo überwältigend ist. Da bekommt der Ausdruck "ein bildgewaltiger Film" eine gänzlich neue Bedeutung. Wenn man sich dabei ertappt, dass man wirklich die Augen bewegen muss, um eine Szene in ihrer ganzen Größe zu erfassen, also auch das, was an den Rändern passiert. Oder wenn auf einmal überdeutlich wird, was die Regisseure eigentlich für ein Bild im Kopf hatten, wenn die Kamera mit der Schärfentiefe spielt. Oder dass die Gesichter mancher Schauspieler eben doch nicht völlig frei von kleinen Hautunreinheiten sind. Und und und...
Wir sind schwerst beeindruckt. Vor allem das Zocken macht jetzt so unendlich viel mehr Spaß, dass es schwer beschreibbar ist. GTA IV ist eine Augenweide - aber mit der neuen Optik muss ich komplett neu lernen, die Autos zu fahren, weil ich die Entfernungen und Kurvenradien noch falsch einschätze. Fallout 3 wollten wir zwar auch kurz anzocken, aber meine kleine Göttin hat sich am Samstag gleich das nagelneue Silent Hill Homecoming geleistet, sowie eine Platinum-Version von Oblivion IV, weshalb wir umso neugieriger auf diese Spiele waren.
Ich hab deswegen gestern erst mal den halben Tag Oblivion gezockt und bin auch von dem Spiel sehr beeindruckt. Vor allem ist die Landschaft wirklich genial schön gemacht und auf diesem Schirm ist man echt "mittendrin statt nur dabei". Aber auch das Gameplay macht ziemlich Spaß. Es ist nur im Moment noch viel zu viel Information, die mich überflutet. Also eine ganz neue Welt mit ganz neuer Geschichte, Kultur und dergleichen. Da reinzukommen wird noch etwas dauern.
Als es dunkel wurde, hab ich den Controller aber an meine kleine Göttin abgegeben, die schon sehnsüchtigst auf den Sonnenuntergang wartete, um dann endlich Silent Hill anzugehen. Denn wir glauben, die aktuellen, nicht so überragenden Kritiken dieses neuen Teils liegen nur daran, dass die Tester einfach keine großen Bildschirme haben. Und eine dicke Surround-Anlage haben sie garantiert auch nicht. Geschweige denn, dass sie das in einem abgedunkelten Zimmer spielen. Weil dann ist mir schon klar, dass es "just another Silent Hill" ist. Denn selbst die genialsten Schocker wie The Hills Have Eyes oder The Grudge oder alle anderen wirken ja auch nicht, wenn man sie auf einem kleinen Fernseher mit bordeigenen Stereo-Lautsprecherchen an einem strahlend-sonnigen Nachmittag ansieht.
Und wie erwartet: es ist der Hammer! Allein schon das Intro, wo man auf eine Bahre geschnallt von einem "Metzger" durch düstere Gänge eines Krankenhauses geschoben und in einem blutverschmierten Raum abgestellt wird... Wie man dann durch die trübe Glastür im Hintergrund sieht, wie jemand aufgespießt und in der Mitte zerteilt wird, während man versucht, sich von seinen Fesseln zu befreien... Wie das eigene Herz immer schneller schlägt, wenn man sich Raum für Raum durch dieses Horror-Szenario tastet und eigentlich noch überhaupt keine Ahnung hat, wo man ist, warum man da ist, wer diese Kreaturen sind und überhaupt... Es dauerte dementsprechend auch keine 5 Minuten, bis ich bereits den ersten Mega-Schreck neben mir mitbekam (ich kümmerte mich währenddessen grad mit dem Laptop um Mails). Also so richtig mit spitzem Schrei und ca 5cm von der Couch hochspringen. Und das war auch nicht das letzte Mal an diesem Abend. So gesehen: vergesst die Kritiken. Schafft das richtige Ambiente aussenrum, dann wird Homecoming genauso spannend und schockierend wie die vorherigen Teile.
Bevor ich nun aber zu sehr in Spielebesprechungen abschweife: ja, verdammt. Ich bin ein Konsum-Schwein. Ich habe in den letzten zwei Monaten mehr in PS3, neuen Laptop und jetzt eben den Fernseher investiert, wie manch andere im Monat überhaupt brutto verdienen. Bin ich also nicht auch genauso ein "Flachomat" wie die, die ich immer so angeprangert habe?
Nun ja. Meine Antwort und damit der zentrale Satz, warum ich diesen Eintrag überhaupt schreibe, ist: ich habe mir das eben nicht sprichwörtlich "vom Mund abgespart"!
Ich bin nicht zu Discountern gelaufen, um 30-50 Euro im Monat zur Seite zu legen. Ich habe bewusst unsere regionale Landwirtschaft gestärkt und das wichtige, uralte Kulturgut des Kochens bewahrt anstatt anonyme Ware in einem anonymisierten System zu kaufen, das nur die rationellsten Betriebe belohnt, den ehrlichen, kleinen Bauern aber eher bestraft als ihn fördert. Und ich habe mein Wohl nicht blind irgendwelchen Chemikern in die Hände gegeben, sondern "richtiges" Essen genossen. Und dennoch ist mir genug übrig geblieben, um jetzt eben diese Anschaffungen zu machen. Was aber auch nicht unbedingt daran liegt, dass ich jetzt so einen übermässig hohen Verdienst hätte. Aber wie ich auch schon so oft gepredigt habe: bewusste Ernährung mit Produkten der Saison ist selbst mit echter Bio-Ware (also nicht der Pseudo-Öko-Ware aus dem Supermarkt) gar nicht so erschreckend viel teurer als die blinde, triebgesteuerte Ernährung aus dem Supermarktregal.
Und deswegen kann ich auch jetzt noch mit ruhigem Gewissen über Euch faule Konsum-Junkies lästern. Ich hab mir das jetzt alles geleistet, ohne dafür meine Ernährung qualitativ zu verschlechtern. Also finde ich auch, ich habe mir das jetzt wirklich verdient, abends die Beine hochzulegen, die Glotze einzuschalten - und einfach in eine andere Welt einzutauchen...